Rundgang durch die Memorialanlagen des Heidefriedhofs | Einführung
- Wir beginnen unseren Rundgang an der Orientierungstafel am Friedhofseingang Moritzburger Landstraße.
Im Jahr 1927 begann die sächsische Landeshauptstadt Dresden damit, auf einem neu erworbenen Waldgelände am nördlichen Stadtrand einen kommunalen Hauptfriedhof zu errichten, um die dringlichen Kapazitätsprobleme im Bestattungswesen endgültig zu lösen. Bei der Planung der neuen Anlage folgten die städtischen Verantwortlichen den Leitbildern einer Friedhofsreformbewegung, die sich bereits vor dem Ersten Weltkrieg formiert hatte und zu deren Zentrum in den 1920er Jahren Dresden wurde.
Überzeugt von der Gleichheit aller im Tode, forderten die Reformer einen Friedhof ohne Standesunterschiede. Leben und Sterben deuteten sie als natürliches Werden und Vergehen und fanden dies im Ideal des naturnahen Friedhofs symbolisiert. So ist der Name Heidefriedhof Konzept: Die nüchterne Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit der Anlage sollte im stimmungsvollen Eindruck einer idealisierten Heidelandschaft aufgehoben werden. Aufwendige Landschaftsgestaltung war notwendig, um den gewünschten Eindruck zu erreichen: Im sorgsam erhaltenen Kiefernwald wurden Lichtungen und Blickachsen angelegt, die Zehntausende aus Norddeutschland beschaffte Heidepflanzen erhielten.
Dieses Gestaltungskonzept war umstandslos auch für die ab 1933 herrschende nationalsozialistische Ideologie passfähig – nunmehr auf die als egalitär behauptete »Volksgemeinschaft« und die »arteigene« heimatliche Kulturlandschaft bezogen. Die Planer:innen der Stadtverwaltung mussten ihr Gestaltungskonzept nicht anpassen. Dennoch konnten die ursprünglichen, großangelegten Pläne nur in Teilen umgesetzt werden: Bereits 1934 musste – trotz nachdrücklicher Proteste – ein wesentlicher Teil der für den Friedhof bestimmten Fläche für den Bau der »Reichsautobahn« abgegeben werden. Im Ergebnis entstand statt des ursprünglich streng symmetrisch geplanten Entwurfs eine im Süden stark beschnittene Anlage. Zu den befürchteten Lärmbeinträchtigungen der »Friedhofsruhe« durch den Autobahnverkehr kamen bald weitere: Im Zuge der deutschen Wiederaufrüstung wurde 1935/36 in Klotzsche die erste »Luftkriegschule« des NS-Staates errichtet. Der Heidefriedhof befand sich nun in dessen Hauptanflugroute.
1. Dezember 1936
Stadt Dresden, Stadtgartenamt
»Gesamtplan vom Waldfriedhof ›Junge Heide‹«
Abgebildet ist die revidierte Planung nach der Abgabe der Flächen für den Autobahnbau. Wesentliche Teile wurden nie realisiert – so die großzügige Feierhalle im Zentrum der Anlage, der Zugang von der Neuländer Straße und die Bereiche oberhalb der Querachse.
Abbildung: Stadtarchiv Dresden, Bestand 6.4.40.1 Bildstelle Stadtplanungsamt
ORT 1 | Eingangsbereich der Memorialanlagen | Wir gehen vom Haupteingang des Friedhofs geradeaus bis zum Platz vor der Feierhalle.
Konzept und Text: Matthias Neutzner
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