ORT 6 | Gedenk- und Begräbnisanlage für antifaschistische Widerstandskämpfer und Opfer des Nationalsozialismus (1965)

Auf dem Weg zurück zum Eingangsbereich der Memorialanlagen durchschreiten wir nun die »Gedenk- und Begräbnisanlage für antifaschistische Widerstandskämpfer und Opfer des Nationalsozialismus«. Die Übergabe dieses neuen »Ehrenhains« am 12. September 1965 inszenierte die DDR-Staatspartei als »Höhepunkt in der massenpolitischen Arbeit«, an dem »zehntausende Dresdner« und »Delegationen von Widerstandskämpfern« aus Ost- und Westeuropa teilnahmen.
Die propagandistische Ausrichtung folgte einem mittlerweile kanonisierten Dreiklang aus Legitimation, Bekenntnis und Abgrenzung: Die Teilnehmer der »Gedenkkundgebung« sollten die DDR als Verwirklichung »der Ideale des antifaschistischen Freiheitskampfes« verstehen, ihre Bürger sich »zum sozialistischen Staat und seiner humanistischen friedliebenden Politik« bekennen und – gemeinsam mit den westeuropäischen Antifaschisten – gegen den »westdeutschen Imperialismus« eintreten. 

Zwischen 1965 und 1989 stand die monumentale Anlage im Mittelpunkt vor allem der antifaschistischen Traditionspflege der DDR. An nationalen Gedenktagen fanden hier Großkundgebungen mit Tausenden, oft Zehntausenden Teilnehmern statt – etwa alljährlich am »Tag der Opfer des Faschismus« oder an den Jahrestagen der Gründung der DDR, der Staatspartei SED und der Nationalen Volksarmee. Daneben wurden die Gräber prominenter Antifaschisten regelmäßig für Gedenk- und Bekenntniszeremonien kleinerer Gruppen aus Schulen, Betrieben und anderen Organisationen genutzt. Dabei war die Totenehrung regelmäßig auf die Gegenwart bezogen: An den Gräbern wurden Auszeichnungen vergeben, Beförderungen vorgenommen, Verpflichtungen bekräftigt, feierliche Aufnahmen in »gesellschaftliche Organisationen« inszeniert. Verglichen mit der Intensität der antifaschistischen Traditionspflege trat das Erinnern an die Luftangriffe in den Hintergrund; gleichwohl hielt die Stadtverwaltung an der jährlichen Kranzniederlegung am 13. Februar fest.

September 1965
Gedenk- und Begräbnisanlage für antifaschistische Widerstandskämpfer und Opfer des Nationalsozialismus. Blick in Richtung Kundgebungsplatz.

Abbildung: Deutsche Fotothek, Höhne-Pohl, df_hpm_0029447_002

ORT 7 | FIR-Obelisk | Wir kehren nun zum Eingangsbereich der Memorialanlagen zurück. An der westlichen Seite befindet sich der 1969 errichtete FIR-Obelisk.

Konzept und Text: Matthias Neutzner
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