ORT 7 | FIR-Obelisk (1969)
Vier Jahre nach der Neugestaltung der Anlage veranlasste ein Beschluss des DDR-Ministerrates erneute Planungen: In Vorbereitung des 20. Jahrestages der Gründung der DDR, 1969, sollten die Traditionsbezüge des ostdeutschen Staates herausgestellt werden, um »in besonderer Weise zur Stärkung des Staatsbewusstseins unserer Bürger und zur Entfaltung des Geschichtsbewusstseins unserer Jugend« beizutragen. Der Rat der Stadt Dresden strebte nun eine Weiterentwicklung der Anlage zur »zentralen Mahn- und Gedenkstätte« an, in deren Mittelpunkt eine noch engere Verbindung beider Anlagenteile, punktuelle bauliche Aufwertungen und vor allem eine »bildkünstlerische Ausgestaltung« stehen sollten. Dazu plante man »bildhauerische Lösungen« für die Auftaktsituation der Anlage, für den runden Kundgebungsplatz im Zentrum sowie für die abschließende Grabanlage der Luftkriegstoten.
Während die baulichen Aufwertungen der Anlage wie geplant umgesetzt wurden, gab man jedoch die bildkünstlerische Ausgestaltung rasch wieder auf, nachdem erste Entwürfe nicht überzeugend ausgefallen und der propagandistische Anlass des Jahrestages verstrichen waren. Im Eingangsbereich der Anlage wurde lediglich ein Obelisk mit dem Zeichen der »Internationalen Organisation antifaschistischer Widerstandskämpfer« FIR errichtet. An den Platzgrenzen ordnete man Quader mit Namen von Opfern des Nationalsozialismus an, die an anderer Stelle beerdigt worden waren und nun symbolisch in das Gedenken einbezogen wurden. Damit fanden die baulichen Arbeiten ihren Abschluss.
Formal stringent und gestalterisch qualitätvoll bildete die Anlage nun eine Art »Memorialkombinat«: Analog zur DDR-Planwirtschaft, in der Wirtschaftsbetriebe eines Produktionszweiges zu Großbetrieben – den Kombinaten – zusammengefasst gesteuert wurden, bündelte sich im »Memorialkombinat Heidefriedhof« die staatliche gelenkte Produktion von Vergangenheitserzählungen und -deutungen. Hier sollte die geschichtliche Basis für eine sozialistische Identität von Stadt und Region geschaffen und gefestigt werden.
ORT 8 | Skulptur »Trauerndes Mädchen am Tränenmeer« | Die Skulptur befindet sich an südlichen Rand der Eingangsbereichs der Memorialanlagen.
Konzept und Text: Matthias Neutzner
Copyright-Hinweise: siehe > Impressum