ORT 9 | Gedenk- und Begräbnisanlage für Opfer des Nationalsozialismus (1954/55, 1965 teilweise aufgelassen)

Wir befinden uns nun in einer 1954/55 errichteten früheren Gedenk- und Begräbnisanlage für Opfer des Nationalsozialismus. Sie wurde ab 1965 nicht mehr belegt und durch die neue, monumentale Anlage in der Mittelachse des Heidefriedhofs ersetzt (ORT 6).

Dieser Gedenkort für die Opfer des Nationalsozialismus ist nicht der erste, der in Dresden entstand. Das kommunistische Gesellschaftsprojekt in der sowjetischen Besatzungszone und der späteren DDR verstand sich in einer antifaschistischen Tradition und grenzte sich damit offensiv von Westdeutschland ab. Dabei beanspruchten die von der sowjetischen Besatzungsmacht unterstützten Kommunisten die Deutungshoheit über die Vergangenheit. Sie positionierten sich als Erben des kämpfenden Widerstands gegen den Faschismus, denen die Führung eines neuen, antifaschistischen Deutschland zukommen würde. Um diesen Machtanspruch zu legitimieren, musste der kommunistische Anteil am Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu Lasten anderer Widerstands- und Opfergruppen herausgehoben werden. Den Gräbern der zu dieser Deutung konformen Toten kam damit eine besondere Bedeutung für die Traditionspflege zu. 

So wurde auch in Dresden bereits im September 1945 eine provisorische Grabanlage für Opfer des Faschismus im Garten des Japanischen Palais angelegt und für propagandistische Veranstaltungen genutzt. Nachdem sie sich als zu klein, zudem als funktional und gestalterisch mangelhaft erwiesen hatte, folgte eine mehrjährige Suche nach Alternativen, die sich auf den Heidefriedhof konzentrierte. Die Umsetzung großangelegter Planungen verzögerte sich jedoch von Jahr zu Jahr, sodass zuerst 1951/52 eine provisorische Grabanlage, dann 1954/55 an dieser Stelle ein kleiner »Ehrenhain« in schlichter Gestaltung errichtet wurde. Hier fanden nun jährlich öffentliche Manifestationen am »Tag der Opfer des Faschismus« sowie an Geburts- und Sterbedaten prominenter Widerstandskämpfer statt.

Bereits 1961 war dieses Provisorium voll belegt. In dieser Situation beschlossen SED und Stadtverwaltung, das Problem dauerhaft zu lösen und ausreichend Grabflächen für alle noch lebenden ehemaligen »Kämpfer« und »Verfolgten« bereitzustellen. Die Bestatteten, deren Angehörige dem zustimmten, wurden in die neue Gedenkanlage umgebettet. Die Flächen nutzte man später, um verstorbene Menschen aus Griechenland und Vietnam zu bestatten, die in Dresden gelebt hatten. Ihr Widerstand gegen Militärdiktatur beziehungsweise US-amerikanischen Krieg wurde als »antifaschistisch« gewertet und so in die Traditionspflege einbezogen.

13. Februar 2013

Gedenk- und Begräbnisanlage für Opfer des Nationalsozialismus.

Fotografie: Matthias Neutzner

19. September 2010

Ehrengräber Lea und Hans Grundig.

Fotografie: Matthias Neutzner

ORT 10 | Gedenkstätte für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion | Wir kehren auf den Hauptweg in Richtung des Friedhofseingangs zurück. An einer kleinen runden Platzanlage zweigt links der Weg zur Gedenkstätte ab. Wir folgen dem Weg bis zu einer betonierten Freifläche.

Konzept und Text: Matthias Neutzner
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